Zukunft des Lingnerschlosses ungewiss

Nach langen Wochen der öffentlichen Debatte sollte der Stadtrat auf seiner Sitzung Anfang September beschließen, wie es mit dem Lingnerschloss weitergehen soll. Der Beschluss schiebt die Klärung der Frage jedoch erneut auf.

Zur Erinnerung: Das Lingnerschloss, das mittlere der drei Elbschlösser, gehört der Landeshauptstadt. Die hatte es 2003 im Wege eines Erbbaurechtvertrags an einen gemeinnützigen Verein übergeben, mit der Bedingung, das Schloss zu sanieren und zu bewirtschaften. Der Verein ist jedoch in die Insolvenz gerutscht und um die Gläubiger (zu denen auch die Stadt selbst gehört) zu befriedigen, hat der Insolvenzverwalter nach Investoren gesucht, die das Erbbaurecht übernehmen würden. Tatsächlich haben sich auch zwei private Investoren gefunden, die einspringen und das Lingnerschloss unter Einsatz erheblicher Eigenmittel weiter betreiben wollen. Der entsprechenden Vereinbarung zwischen dem Verwalter und den Investoren musste nun „nur noch“ der Stadtrat zustimmen doch dazu kam es nicht.

Zwischenzeitlich hatte sich nämlich noch ein zweiter Bewerber gemeldet: eine Gruppe aus 15 Personen, die ein Konzept für eine kreditfinanzierte Betreibung des Schlosses mit großem Kulturprogramm präsentierten. Der Stadtrat legte den Deal mit den bisherigen Investoren deshalb erst einmal auf Eis und forderte, dass weiterverhandelt wird. Die Frist für die Zustimmung zur Einigung läuft Anfang Oktober aus. Bis dahin hofft man auf neue Ergebnisse in der nächsten Verhandlungsrunde.

„Es ist beunruhigend, welches Misstrauen privaten Investoren in dieser Stadt manchmal entgegenschlägt. Wenn sich jemand findet, der aus privaten Mitteln Millionenbeträge in die Sanierung und Betreibung des Schlosses stecken will, müssten wir eigentlich alle Luftsprünge vor Freude machen. Dass die Einigung nun noch einmal verzögert wird erhöht das Risiko, dass die möglichen Übernehmer abspringen. Es ist auch nicht klar, warum mit der Stadt anstatt wie bisher mit dem zuständigen Insolvenzverwalter verhandelt werden soll. Das absolut schlimmste Ergebnis wäre, dass der Deal platzt und das Erbbaurecht an die Stadt zurückfällt. Wir haben weder das Personal noch die Mittel um die Sanierung und Bespielung selbst zu gewährleisten, aber geben unser Bestes, willigen Investoren die Arbeit schwer zu machen.“

FDP/FB-Kulturpolitiker Jens-Uwe Zastrow